Report: Die Rolle von Social Media im Arabischen Frühling


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Event: Social Media Usages of Societies in Transition – The Case of the Arab Spring Countries – Die Rolle von Social Media im Arabischen Frühling, am 20.2.2014, um 12 Uhr im Kultwerk West

Als 2011 in vielen arabischen Ländern Menschen auf die Straße gingen und für bessere Lebensbedingungen demonstrierten, wurde in westlichen Medien die Rolle sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter betont. Fast konnte man meinen, dass nur durch diese technischen Mittel die Proteste möglich wurden. Aber stimmte das wirklich? Die Panel-Diskussion „Social Media Usages of Societies in Transition – the Case of the Arab Spring“ sagte dazu klar „jein“.

Zunächst ging es um die genaue Definition von Social Media, denn wie auch Fernsehen oder Zeitungsartikel funktionieren letztendlich alle Formen von Medien nur über einen sozialen Kontext. Dr. Adel Iskandar von der University of Georgetown fand die bestechend elegante Formel „many speak to many“. Anders als bei anderen Massenmedien ist es nicht eine kleine Auswahl von Individuen, die Inhalte und Informationen bereitstellt. Stattdessen kann jede/r zum Medienmacher werden.

Schnell wurde in der Diskussion klar, dass zwischen den einzelnen Ländern große Unterschiede bei der Rolle von Social Media während des arabischen Frühlings bestehen. In Ägypten war sie eher klein: In der heißen Phase der Proteste in Ägypten war das Internet für fünf Tage blockiert, also setzten die Menschen eher auf SMS und Telefon. Zudem ist die Analphabetenrate in Ägypten sehr hoch, sodass nur wenige Menschen überhaupt in der Lage sind, Social Media zu nutzen. Wafa Ben Hassine stellt dem die Situation in Tunesien gegenüber. Hier war Social Media auch, aber lange nicht das einzige, Mittel zur Vernetzung und wesentlich wichtiger, weil die Proteste dezentralisiert waren und das gesamte Land erfassten.

Drei Jahre nach dem arabischen Frühling hat sich in vielen Ländern die Nutzung von Social Media verändert: Wie im Westen auch wird es zur Unterhaltung genutzt – die politische Komponente nimmt ab. Doch es gibt nach wie vor Initiativen, die Social Media für Politik und konstruktive Kritik nutzen: So bildete sich in Tunesien eine NGO, die über Twitter live von der Abstimmung über die neue Verfassung berichtete und das Abstimmungsverhalten jedes Abgeordneten festhielt.

Hani Morsi vom Institute of Development ergänzte, dass die sozialen Medien zunehmend für Empowerment von Frauen genutzt wird, um sich gegen sexuelle Gewalt zu wehren. Auf der OpenSource-Plattform www.harassmap.org können UserInnen eintragen, wo sie sexuell belästigt wurden. Das trägt zur Sichtbarmachung der grassierenden Gewalt gegen Frauen bei. Ein anderes junges Projekt trägt Dokumente über die Revolution zusammen, um so ein kollektives Gedächtnis im Netz zu schaffen.

Im Rückblick betrachtet waren soziale Netzwerke für den arabischen Frühling nicht flächendeckend entscheidend – es kommt auf das jeweilige Land an. Und so positiv Social Media für die Demokratisierung der arabischen Länder war und ist: Auch religiöse Extremisten und Terroristen verbreiten ihre neuesten Taten über Facebook, Twitter oder Youtube und versuchen, diese Kanäle mit ihren Themen zu besetzen. Diskussionsleiter Mohammed Selim Khalil schickt die ZuhörerInnen deshalb mit der Frage nach Hause: „Brauchen (soziale) Medien Regulierung?“

Hier der Livemitschnitt:

 

Autorin: Thi Yenhan Truong



thiyenhan

Social Media Manager, BlogF

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