Das ungeschminkte Wahrheit – Warum Snapchat authentischer ist als Instagram


Social Media Week

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Hannah Rees und Sebastian Franz von der Hamburger Agentur elbkind GmbH halten am 26. Februar einen Vortrag, in dem es um die Authentizität in jüngeren, sozialen Netzwerken wie Snapchat oder Periscope geht. Der Titel: „Mut zur Hässlichkeit – Jetzt kommt das wahre Leben“. Aber warum genau sind diese Kanäle authentischer? Gilt nicht auch dort: „Inszenieren, um zu imponieren“? Zeit, um noch vor dem Start der Social Media Week Hamburg meine neugierigen Fragen loszuwerden.

Ich falle mal direkt mit der Tür ins Haus: Warum sind Snapchat und Periscope authentischer als beispielsweise Instagram? 

Hannah: Bei Promis und Bloggern sieht man das ganz gut: Auf Snapchat wird gerne mal die „ungeschminkte“ Wahrheit hochgeladen – Videos nach dem Aufstehen oder vor dem Schlafengehen und Liveberichte vom eigenen Sofa aus an einem faulen Sonntag. Einfach, weil man weiß, dass das Bild nach ein paar Sekunden oder am nächsten Tag wieder weg ist. Und dann auch nie wieder auftaucht. Natürlich könnte jemand einen Screenshot machen, aber trotzdem wird die Hemmschwelle durch diese Vergänglichkeit gesenkt.
Auf Instagram hingegen wird viel mehr inszeniert, weil man weiß, dass ein Foto auch in drei Wochen noch da sein wird. Inhalte lassen sich dort nicht so einfach ausradieren wie auf Snapchat.

Sebastian: Authentizität, also Echtheit und die damit verbundene Glaubwürdigkeit, wurde den sozialen Netzwerken ja immer zugeschrieben bzw. verlangt. Man merkt aber, dass es einen Wandel gibt. Bei Instagram zeigt sich das zum Beispiel sehr schön: Hier ist man nun weg vom anfänglichen Essens-Schnappschuss und bei einer Inszenierung mit Hochglanzqualität gelandet. Und da es bei Snapchat (noch) kaum Bearbeitungsmöglichkeiten gibt, muss man aktuell das Hier und Jetzt so zeigen wie es ist und sorgt damit für Authentizität.

Hannah: Das wiederum macht die neuen Kanäle so beliebt, da der Wunsch nach Echtheit ja scheinbar da ist. Wir werden in unserem Panel Beispiele vorstellen, bei denen Natürlichkeit und Authentizität im Vordergrund stehen.

Bei Instagram sieht man ja trotzdem ganz gut, dass die Profile mit einer großen Followerschaft nun mal die professionell inszenierten Accounts sind. Liegt es also an den Usern, die doch lieber eine perfekte „Traumwelt“ sehen wollen? 

Hannah: Ich glaube, es ist eher eine Kombination aus beidem. In den Klatschzeitschriften funktionieren Artikel wie „XY ungeschminkt“ oder „XY hat Cellulite“ super. Letztendlich wollen wir dann aber doch das perfekte Titelbild sehen oder folgen auf Instagram den perfekten Accounts.
Das sieht man auch ganz gut, wenn man mal die verschiedenen Kanäle eines Promis oder Influencers nebeneinander legt. Da gibt es ganz klare Unterschiede. Wie schon gesagt: Während Instagram einen Hochglanzcharakter hat, sieht man bei Snapchat oft die „ungeschminkte“ Wahrheit – im wahrsten Sinne. Wir sehen gerne schöne Dinge, aber freuen uns ebenso, wenn uns gezeigt wird, dass es auch eine andere, „echte“ Seite gibt.

Sebastian: Außerdem hängt es auch immer stark von der Zielgruppe ab. Wir haben Kunden, für die wir es mit professionellen Bildern probiert haben. Die kamen dann in der Community überhaupt nicht an. Die User wollten authentische Schnappschüsse. Und letztendlich gilt es ja, die passenden Inhalte für die Community zu erstellen.

Wenn es gut gemacht ist, erkennt man nicht, ob ein Kanal wirklich authentisch ist oder nicht.

Woran erkennt man eigentlich, ob ein Kanal authentisch ist? 

Sebastian: Darüber haben wir hier auch schon diskutiert. Unsere Erkenntnis: Wenn es gut gemacht ist, gar nicht.

Blogger galten ja früher auch als authentisch. Aber mittlerweile ist die Inszenierung ihres „Lifestyles“ auf Blogs und Instagram so perfekt wie die Raffaelo-Werbung 😉
Glaubt ihr, dass es diese Wendung auch bei Snapchat geben wird? 

Hannah: Wenn man sich die „Gesetzmäßigkeiten“ des Lebenszyklus eines Kanals anguckt, kommt da immer irgendwann die Professionalisierung durch Influencer. So eine Entwicklung wäre also auch für Snapchat plausibel.

Sebastian: Es kommt dabei zudem auf die Tools für eine Bearbeitung sowie die Plattformen generell an, die sich auch weiterentwickeln. Mit Periscope kann man beispielsweise neuerdings von einer GoPro streamen, was einen qualitativ schwächeren Livestream definitiv aufwertet.

Die Wahl eines passenden Influencers ist immens wichtig.

Vor allem auf Snapchat stehen ja immer Personen im Vordergrund. Das heißt, Unternehmen müssen entweder jemanden aus den eigenen Reihen in den Fokus stellen oder sich Influencer suchen, mit denen sie aber auch sehr langfristig zusammen arbeiten können… 

Sebastian: Ja, viele Marken holen sich Influencer. Es gibt auch Ausnahmen, die ohne auskommen und wirklich das Produkt in den Vordergrund stellen. DM ist da ein gutes Beispiel. Da sieht man zwar auch ab und an eine Person, aber die ist nicht so prominent an den Kanal gebunden.

Hannah: Wobei einem dabei klar sein muss, dass der Traffic dann in erster Linie durch die Influencer kommt. Deshalb muss man sehen, dass sie wirklich zur Marke passen und dass deren Follower auch tatsächlich relevant für das Unternehmen sind. Da ist die passende Auswahl immens wichtig.

Die Deutschen haben ein Problem mit der Selbstdarstellung.

Sind Kanäle wie Snapchat und Periscope für Deutschland eigentlich relevant? Während ganz Amerika schon snapchattet, haben wir hier immer noch Angst, unsere Mailadresse irgendwo einzugeben… 

Hannah: Ja, das ist die German Ängstlichkeit. Wir haben immer Angst, unsere Daten rauszugeben. Oben drauf kommt noch unser Problem mit der Selbstdarstellung. Wir zeigen nicht so gerne, was wir so treiben und besitzen, weil wir es bei anderen auch ganz schlimm finden.

Sebastian: Genau deshalb stellen wir in unserem Vortrag auch Beispiele aus Deutschland vor, denn die Cases aus den USA sind bei uns tatsächlich meistens gar nicht anwendbar. Wir finden es wichtig zu zeigen, was hier bei uns passiert.

Und genau das seht ihr, wenn ihr am 26. Februar vorbeikommt: „Mut zur Hässlichkeit – Jetzt kommt das wahre Leben“. Vielen Dank Hannah & Sebastian!



sophieffu

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Rosinenaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und deshalb Vollzeit-Freiberuflerin, Sport-Unfan, Handy auf lautlos-Stellerin und Möchtegern-Magazinherausgeberin. Redet meistens zu schnell, oft außerdem zu viel und ab & an auch mal zu wenig – mittlerweile ohne „ick“, „dit“ und „haste jesehn“, denn Fischbrötchen sind besser als Currywurst! Schreibt auch auf frau-frei-und.de & helllaut.com



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