„Wenn sie sonst keine Vorgaben haben, erschießen Sie doch einfach Katzenbabies“


Social Media Week

Social Media Week is a leading news platform and worldwide conference that curates and shares the best ideas and insights into social media and technology's impact on business, society, and culture.


Ich bin mit einiger Erwartung in die Veranstaltung Social Media nach dem Hype. Wo stehen wir heute? gegangen. Die Entwicklung und weitere Etablierung von sozialen Medien allein im letzten Jahr war beeindruckend. Gefühlt erkennen immer mehr Unternehmen, dass hinter dem Wort „Social Media“ mehr als nur Facebook steckt und die Konsumentenseite hat – nach Facebook und Instagram – nun auch Snapchat als „the next big thing“ für sich entdeckt. Aber jetzt, wo sich alle einig sind – wie ist nun mit dem neuen Umfeld umzugehen?

Kann man sich als Unternehmen heute noch gegen Social Media Nutzung entscheiden?

Falk Ebert ist Strategieberater bei der United Digital Group und beginnt seinen Vortrag mit der Ankündigung: „Gehen wir den Vortrag doch mal langweilig an“. Was auf diese überraschenden Worte folgte, war ein schlechtes Zeugnis im Fach Social Media für „das Gros der deutschen Unternehmen“. Schlecht platzierte sponsored posts und lieblos geführte Accounts führen natürlich nicht zu den gewünschten Ergebnissen.

Social Media ist kein traditionelles Marketing. Es ist ein Fremdwort in vielen festgefahrenen Wortschätzen von alteingesessenen Managern. Und die Übersetzung ist bis heute nicht klar. Im Februar 2010 hat der Begriff „Social Media“ den Begriff „Web 2.0“ in der Häufigkeit der Google-Suchanfragen abgelöst. Beweist das irgendetwas? Wohl nicht. Aber interessant ist es dennoch. Viele von uns haben den Hype miterlebt, der dazu geführt hat, dass sich heute kaum noch Unternehmen trauen, die sozialen Medien unbeachtet zu lassen. Schließlich ist jeder dabei, oder?

Apple ist schließlich Apple

Ebert nennt das wohl prominenteste Beispiel für ein Unternehmen, das auch ohne große Social Media Präsenz die größten Unternehmenserfolge feiert: Apple hat kein Facebook, Instagram oder Snapchat. Aber lässt das Rückschlüsse auf die deutschen Unternehmen zu, die Ebert eigentlich abbilden wollte? Apple ist schließlich Apple. Als Maßstab für den typischen deutschen Mittelständler zumindest fragwürdig.

Die dürftigen Ergebnisse für die Social Media Gehversuche vieler Unternehmen sind aber kaum wegzudiskutieren. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema stellt viele Manager vor große Probleme. Nicht zuletzt wegen der großen Frage nach dem ROI (return on investment). Was bringt es genau, wenn man viel Geld in die Produktion eines hoffentlich „viralen“ Videos steckt? Was ist ein Like wert? Und was ein Share?

Sind bezahlte Inhalte in Social Media glaubwürdig?

blog 1Ebert versucht eine Rechnung aufzustellen. Er nutzt Durchschnittswerte und Medienäquivalenzwerte und kommt am Ende seiner Formel auf einen ROI zwischen -50% und 300% mit dem klaren Hinweis, dass diese Rechnung zu großen Teilen auf Schätzungen und Interpretationen beruht. Diese Schwierigkeit in der Bewertung von Kampagnen trifft besonders Unternehmen mit Fokus auf kurzfristige Ziele. Man fährt bisher ohne ja auch Social gut. Warum also der Manager sein, der das Risiko eingeht, wenn doch alles noch läuft? Das interessante Wort in diesem Satz ist „noch“. Wie wird sich die Landschaft weiterentwickeln? Ich konnte im Vortrag an einer Stelle ein Verständnis von Social Media heraushören, das ich als falsch ansehe. Es wird von Glaubwürdigkeit von bezahlten Inhalten auf Instagram gesprochen. Und gefragt, ob es denn überhaupt authentisch sei, wenn das Unternehmen zahlt?

Da drängt sich mir eine brennende Frage auf. Werbeanzeigen in Magazinen kosten Geld für die Distribution. Werbung im TV kostet Geld für die Distribution. Google Ads kosten Geld für die Distribution. Warum ist es bei Instagram und Facebook immer noch so überraschend für viele, dass die „organische“ Reichweite weiter abnimmt und auch hier die Distribution der Inhalte kostet?

„Wenn sie sonst keine Vorgaben haben, erschießen Sie doch einfach Katzenbabies“

Vielleicht, weil es nicht immer akribisch geplante Werbekampagnen sind, die auf Facebook funktionieren und sich die Unternehmen das Spielfeld mit normalen Menschen teilen müssen? Virale Inhalte sind ohne Frage schwer zu planen. Aber auch darauf hat Ebert eine schlagfertige Antwort, die nicht jedem im Publikum ein Lachen abgewinnen kann. In Gedanken womöglich beim Buzzword „Catcontent“ sagt er nüchtern: „Wenn sie sonst keine Vorgaben haben, erschießen Sie doch einfach Katzenbabies“.

Als der Vortrag sich schließlich dem Ende neigt, fällt noch eine entscheidende Aussage, die ebenfalls nicht wegzudiskutieren ist. Auch, sich nicht mit Social Media zu beschäftigen, ist eine Entscheidung. Und wenn man diese nicht bewusst und aus den richtigen Gründen trifft, könnte man vielleicht auch als Mittelständler mit kaum Markenstrahlkraft in der Zukunft Chancen ungenutzt lassen. Ob es schadet, nicht auf sozialen Netzwerken aktiv zu sein? Vielleicht nicht. Ob es Chancen bietet, es doch zu sein? Darauf ist die Antwort in den meisten Fällen ein kreischendes Ja.

About the Author:

Dennis Schrader studiert im 4. Semester Digital Media Management an der Hochschule Macromedia. Nebebei bloggt er über Online Marketing, ist Snapchat-addicted (earlybird68) und macht Fotos von Selbstgekochtem.



macromedia blogger

M.A., Hochschule Macromedia

Die Macromedia Blogger sind Studierende vom Hamburger Campus der Hochschule Macromedia, University of Applied Sciences. Die angehenden Medienmanager, Journalisten und Mediendesigner berichten über aktuelle Medienevents und Trends für die digitale Welt von morgen. Rund 2.000 Bachelor- und Masterstudierende lernen an der private Hochschule Macromedia den digitalen Wandel zu gestalten. Die staatlich anerkannte Hochschule ist in München, Stuttgart, Köln, Berlin und Hamburg vertreten. Mehr unter www.hochschule-macromedia.de



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