Digitale Freundinnen – Warum Frauenmagazine ihren Leserinnen online nun ganz nah kommen wollen


Social Media Week

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Print stirbt ja bekanntlich. Aber sterben die großen Frauenmagazine mit ihm? Oder können sie online nochmal so richtig durchstarten? Und wie wollen die Redaktionen den neuen Ansprüchen in der Onlinewelt gerecht werden? Denn besonders eine Online-Spezies könnte ihnen gefährlich werden: Blogger. Sie zeigen sich ganz persönlich, nahbar und authentisch. Eine offenbar wachsende Anforderung an all diejenigen, die in der Welt von Facebook, Instagram, Likes und Posts etwas zu sagen haben wollen.

Genau darüber haben sich im Panel Erfolgreich, weiblich, digital: Wie Frauenmagazine in Zeiten des Social Web funktionieren verantwortliche Frauen, darunter Doris Brückner (Redaktionsleitung Gala.de), Eva Spundflasche ( Redaktionsleitung Brigitte.de), Rosemarie Wetscher (Redaktionsleitung Eltern Online) und Ninon Götz (Gründerin Très Click) im Rahmen der #smwhh in der Macromedia Hochschule am Hamburger Campus ausgetauscht und Position bezogen.

Man kann ja schon so aller Hand klicken, liken und posten im Internet. Es gibt wohl keine “Was tun…”-Frage, die die Online-Community noch nicht beantwortet hat, kaum eine Fähigkeit, die einem dank YouTube-Tutorial noch nicht beigebracht werden kann. Dabei geht es (zumindest mir) gar nicht mal immer nur um den Inhalt – wenn ich Tutorials für den perfekten “Winged Eyeliner”, das anstrengendste Bauchmuskel-Workout oder die Bewertung eines neuen Kinofilms lese bzw. anschaue, dann ist vor allem wichtig, von wem diese lebensverändernden Tipps und Tricks kommen. Wir suchen immer mehr nach echten Menschen, echten Vorbildern und Meinungsmachern im Internet, die so harmlos als Blogger und Vlogger daherkommen und uns ganz private Einblicke in ihr Leben gewähren.

Milchflasche in der einen, Smartphone in der anderen Hand

Wir lassen unsere digitalen Freunde ganz nah an uns heran und das 24/7. Da sollte es den bekannten Frauenmagazinen mit großen Namen wie Brigitte, Gala und Eltern doch ein Leichtes sein, ein Stück vom großen Kuchen für sich zu beanspruchen und eine ganz neue Nähe zu ihren Leserinnen aufbauen. “Wir haben einen überraschenden Traffic Peak um zwei Uhr morgens zu verzeichnen,”, so Rosemarie Wetscher, Redaktionsleiterin von Eltern Online. “Die User nehmen uns also quasi mit ins Schlafzimmer und konsumieren unsere Inhalte während sie gerade das Baby stillen.”

Frauen 2In der einen Hand die Milchflasche, in der anderen das Smartphone, das ist wohl nichts ungewöhnliches mehr. Doch auch wenn diese großen Medientitel das Vertrauen der Damenwelt genießen, wirken sie im Gegensatz zu Blogs doch eher unnahbar. Zumindest habe ich mir beim Lesen eines Brigitte-Artikels noch nie vorgestellt, dass da die Tante Brigitte am Schreibtisch sitzt und über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der neuesten Suppendiät berichtet. Wird uns diese Art von Online-Journalismus in Zukunft reichen? Wir weiblichen Leser sind schließlich nicht auf den Kopf gefallen, wir wissen um den kommerziellen Druck auf Medienmarken. Bei Bloggern steht der natürlich ebenso häufig hinter der Empfehlung der neuesten “Must-Have-Tagespflege”. Doch stehen die Blogger-Mädels dann eben doch mit Gesicht und Namen hinter dem, was sie uns ans Herz legen – und so glauben wir, dass sie – wie eine gute Freundin – doch sicher nur unser Bestes wollen.

“Besonders auf unseren Social Media-Kanälen wie Snapchat und Instagram versuchen unsere Redakteure mittlerweile Gesicht zu zeigen. Sie werden zu eigenen Medienmarken. Da kann man sich so einiges von den Bloggern abschauen”, erzählt mir Eva Spundflasche, Redaktionsleiterin der Brigitte.de. Also doch: Auch die Frauenmagazine haben den Trend erkannt und versuchen nun, auf den Zug der Unmittelbarkeit aufzuspringen.

“Hallo Brigitte, reicht es, wenn ich dein Rezept morgen backe?”

Dazu gehört auch der Trend, News an die Leserschaft über Whatsapp zu verschicken. “Wir haben einen Whatsapp-Testlauf gestartet, zunächst nur mit Backrezepten”, so Spundflasche von Brigitte.de. “Die Antworten waren teilweise wirklich erstaunlich. Eine Leserin hat uns für das Rezept gedankt und gefragt, ob es denn reiche, wenn sie es erst morgen nachbacke, weil sie wohl heute Abend nicht mehr dazu komme.” Ok, vielleicht ist die Brigitte für einige Frauen eine Art Schwiegermutter, die zwar immer tolle Tipps hat, aber vor der man auch gut dastehen will. Wie auch immer, die neue Herausforderung einer persönlichen Beziehung zwischen der Brigitte und ihren Leserinnen scheint zumindest in diesem Fall geglückt.

Wie Frauenmagazine sich in Zukunft online präsentieren, ob es neue Verquickungen von Blog und Magazin geben wird und wie viel die Redakteure von sich preisgeben müssen, um für die Leserinnen glaubhaft zu sein, bleiben meiner Meinung nach spannende Fragen. Doch vielleicht sichert ein entscheidender Vorsprung den digitalen Magazinen auch deren Koexistenz mit der Bloglandschaft. Schließlich bleiben journalistische Sorgfalt und professionelle Recherche fürs Erste doch eher den großen Frauenmagazinen vorbehalten.

About the Author

Jane Paltian studiert im 6. Semester PR und Kommunikation an der Hochschule Macromedia und beginnt im April ein Praktikum im Marketing der Lufthansa Technik und Logistic Services. Nach ihrem Studium möchte sie für die Unternehmenskommunikation oder Corporate Social Responsibility arbeiten.



macromedia blogger

M.A., Hochschule Macromedia

Die Macromedia Blogger sind Studierende vom Hamburger Campus der Hochschule Macromedia, University of Applied Sciences. Die angehenden Medienmanager, Journalisten und Mediendesigner berichten über aktuelle Medienevents und Trends für die digitale Welt von morgen. Rund 2.000 Bachelor- und Masterstudierende lernen an der private Hochschule Macromedia den digitalen Wandel zu gestalten. Die staatlich anerkannte Hochschule ist in München, Stuttgart, Köln, Berlin und Hamburg vertreten. Mehr unter www.hochschule-macromedia.de



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